The Revelation of St. John

Komponist: Peter Martinček 

Regie: Zuzana Galková 

Lichtdesign: Ondrej Kapralik 

Musikalische Leitung und Klavier: Markus Urbas 

St. John: Vladimír Šlepec


Im Frühling 2020 begannen Gespräche zwischen dem Komponisten Peter Martinček und dem Sänger Vladimir Slepec über eine szenische Uraufführung der 1993 entstandenen Monooper „The Revelation of St. John“. Diese Planung, welche von beiden mit viel Enthusiasmus getragen wurde, erlitt durch den plötzlichen Tod des Komponisten im Jahr 2021ein jähes Ende. Erst 2023 erfolgte dann die szenische Uraufführung im Nationalmuseum in Martin (Slowakei) und 2024 eine weitere Aufführung im Rahmen des Theaterfestivals „Berührungen und Verbindungen“, ebenso in Martin. Die Hauptrolle sang Vladimír Šlepec, Markus Urbas spielte am Klavier und die Regie lag in Händen von Zuzana Galková. Die Mono-Oper „The Revelation of St. John“ (Die Offenbarung des heiligen Johannes) 

Die Monooper "The Revelation of St. John" für Tenor und Klavier des slowakischen Komponisten Peter Martinček (1962-2021) greift auf das Neue Testament der Bibel mit dem Thema der biblischen Prophezeiungen zurück. Das Hauptmotiv dieser Monooper ist, die Offenbarung des Johannes durch die Augen eines gegenwärtigen Menschen zu betrachten und nach einer Antwort zu suchen, die die Prophezeiung unserer Welt bietet. The Revelation of St. John appelliert an den Wunsch der Menschen, Antworten auf die Fragen zu finden, wohin unser Handeln und unser Denken geführt hat. Wenn wir als Menschen für den Zustand unserer Welt verantwortlich sind, worin liegt der Anteil des Einzelnen? 

Wir befinden uns in einer Situation, in der wir auf den Bildschirmen unserer Handys oder Fernseher täglich von modernen Predigern angegriffen werden. Alternative Wahrheiten und Verschwörungen über die Ordnung der Welt oder der Gesellschaft hören auf nur lächerliche Fake News zu sein, sondern führen zur Spaltung der Gesellschaft. 

Die musikalische Sprache dieses Werkes wurde im Stil der "Minimal Music" verfasst und ermöglicht durch das kontroverse und stets aktuelle Thema der Prophezeiungen in Kombination mit der englischen Sprache spannende Interpretationsmöglichkeiten. Sowohl die reduzierte Besetzung mit nur einem Sänger und einem Pianisten als auch die musikalische Sprache des Komponisten verleihen dem Werk einen kontemplativen Charakter.

Die slowakische Regisseurin und Pädagogin Zuzana Galková setzt ihre künstlerischen Schwerpunkte in Produktionen im Theater-, Hörspiel-, Tanz und Opernbereich mit einer Vorliebe für ungewöhnliche Spielorte und Multimediaproduktionen. Sie arbeitet im slowakischen Rundfunk und Fernsehen, an der Universität in Žilina und am Musik- und Theaterkonservatorium in Martin. Als Regisseurin und Dramaturgin arbeitete sie im Alexander-Duchnovič-Theater in Prešov, im Theater in Spišská Nová Ves und im Prager Theater in Vinohrady. Sie studierte Regie und Dramaturgie und promovierte an der Hochschule in Bratislava.  

 

Für den österreichischen Pianisten Markus Urbas bildet die Kammermusik einen Schwerpunkt in seinem künstlerischen Schaffen. So bildete er jahrelang ein Klavierduo, beschäftigt sich intensiv mit Liedbegleitung und spielt in unterschiedlichsten Ensembles mit. Außerdem entwickelte er außergewöhnliche Konzertformate, die z.B. eine Symbiose von Musik und Akrobatik zeigten. Seit vielen Jahren beschäftigt er sich mit Musikvermittlung für Kinder und Jugendliche und musiziert regelmäßig im Rahmen des Kinderprogramms der Int. Stiftung Mozarteum Salzburg. Er studierte an den Musikuniversitäten in Salzburg und Wien und leitet eine Klavierklasse im Musikum in Salzburg.

 

Peter Martinček (1962-2021) war der Sohn eines Komponisten und einer Opernsängerin. Er war Lehrer für Komposition und theoretische Fächer am Konservatorium in Bratislava und an der Hochschule für Musische Künste in Bratislava. Als Komponist war er bekannt für sein reiches Gesangswerk (Seltsame Lieder I und II, Face on Face, Psalmen), aber auch für sein Orchesterwerk (Symphonie Nr. 2 „The Second Touch“, Sinfonie Nr. 3 „Venezianische“, Symphonie Nr. 4 In Memoriam M. R. Štefánik, usw). Seine Werke wurden bei vielen renommierten Festivals und in slowakischen und internationalen Konzertsälen in der ganzen Welt aufgeführt. Neben Instrumental- und Vokalwerken komponierte er auch Werke für die Bühne, das Oratorium Memento und die Monooper „The Revelation of St John“. 


Die Monooper „The Revelation of St. John“ beim Festival Opera Schrattenbach in Olmütz

 

Die Monooper *The Revelation of St. John* des Komponisten Peter Martinček gehört zu den seltenen Werken der slowakischen Opernliteratur – nicht zuletzt, da es sich um ein kammermusikalisches Bühnenwerk in englischer Sprache handelt. Als Vorlage dient das letzte Buch des Neuen Testaments, die *Offenbarung des Johannes*, die mithilfe apokalyptischer Bilder den Zerfall der Welt, gesellschaftliche Spannungen sowie ökologische Bedrohungen reflektiert.

Die Inszenierung entstand im Jahr 2023 unter der Ägide des Studios Pivnica und wurde von der Regisseurin Zuzana Galková erarbeitet. Sie nähert sich der anspruchsvollen religiösen Thematik mit bemerkenswerter Nüchternheit und vermeidet jeglichen Pathos. Die Figur des Johannes erscheint hier nicht als Ikone, sondern als Mensch, der sich mit der Vision eines Weltuntergangs konfrontiert sieht. Als wirkungsvolles dramaturgisches Mittel erweist sich auch das gelegentliche szenische Eingreifen des Pianisten, das subtil die Grenze zwischen musikalischer und szenischer Ebene auflöst.

Der einzige Protagonist des Abends ist der heilige Johannes, dargestellt vom Tenor Vladimír Šlepec. Sein lyrischer Tenor überzeugt sowohl in dramatisch zugespitzten Momenten als auch in ruhigeren, introspektiven Passagen. Auch darstellerisch wirkt er konzentriert und trägt die Spannung des Werkes durchgehend – eine zentrale Voraussetzung für das Gelingen einer Monooper.

Die musikalische Einstudierung und der Klavierpart in den Händen von Markus Urbas zeugen von einem präzisen Verständnis der minimalistischen Tonsprache des Werkes. Urbas gestaltet die Dynamik sensibel, lässt meditative Flächen atmend wirken und baut zugleich wirkungsvolle Steigerungen bis hin zu expressiven Höhepunkten auf. Die musikalische Ebene fungiert somit nicht bloß als Begleitung, sondern als gleichwertiger Träger der dramatischen Entwicklung.

Ein weiteres prägendes Element der Inszenierung ist das Lichtdesign von Ondrej Kaprálik, das feinfühlig auf die musikalische und dramaturgische Struktur reagiert. Das Spiel mit Licht – insbesondere das „Beleben“ von Skulpturen sowie die Arbeit mit Schatten – erzeugt eindringliche visuelle Bilder und verstärkt die Atmosphäre von Unsicherheit und Erwartung.

Die minimalistische Bühnenausstattung, bestehend aus wenigen Requisiten (Reisekoffer, Schreibmaschine, Bücher), lässt der Aussage des Werkes bewusst Raum. Dieser reduzierte Ansatz erweist sich als funktional: Statt illustrativer Überfrachtung eröffnet er dem Publikum Raum für eigene Imagination und konzentriertes Erleben.

Positiv hervorzuheben sind auch die Übertitel, die das komplexe Libretto voller Metaphern und symbolischer Bilder einem breiteren Publikum zugänglich machten.

Die Aufführung beim Festival Opera Schrattenbach stellte zugleich die Erstaufführung dieser Inszenierung in Tschechien dar. In dieser Form erweist sich *The Revelation of St. John* als ein kammermusikalisch konzentriertes, zugleich ausdrucksstarkes Werk, das sowohl durch musikalische Präzision als auch durch die Aktualität seiner Aussage zu überzeugen vermag.

 

Johannes Beranek

Dirigent und Komponist

 

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